Pervocracy

Posted in Allgemein on July 4th, 2011 by Merovius

Moin,

nachdem ich heute endlich (nach vielen Empfehlungen) mir mal The Pervocracy angeschaut habe, wollte ich hier kurz meine Erfahrungen damit darstellen.

The Pervocracy ist ein Sex-Blog von einer Dame (?), die sich Holly nennt. Themen sind Sex, Gender, Feminismus, Polyamorie, BDSM und eben alles, was davon berührt wird. Am Besten liest man sich einfach Hollies Selbstdarstellung durch.

Heute habe ich mich dann durch die Posts der letzten 2 oder 3 Monate gelesen und festgestellt, dass es mir nicht viel gibt. Nicht, weil die Themen nicht interessant wären, oder der blog schlecht geschrieben wäre (im Gegenteil, in der Hinsicht war ich schon positiv überrascht), sondern weil eigentlich keiner der geäußerten Gedanken neu für mich ist. Weder bekomme ich Impulse, zu widersprechen, noch habe ich das Gefühl, dass Dinge in neuer und ungewohnter Weise betrachtet werden.

Ich vermute, dass liegt zu großen Teilen an meiner Umgebung. Ich lebe eben in einer Welt, in der die meisten Menschen mit sexueller Orientierung und Gender relativ unbefangen umgehen. In meinem engeren Freundeskreis befindet sich glaube ich niemand, der_die den Gedanken an gleichgeschlechtlicher Liebe seltsam findet und viele Menschen, die in offenen Beziehungen der ein oder anderen Art leben, inklusive mir selbst. Ich komme schon häufig in die Situation, mich mit Menschen zu unterhalten, für die eine Gleichstellung aller Geschlechter sowie die fuzziness von Geschlecht (Gender und Sex) nicht selbstverständlich sind und ich fühle mich häufig in der Situation, Menschen belehren zu müssen, dass die Welt eben nicht aus „Mann liebt Frau und Frau liebt Mann“ besteht. Dennoch habe ich da nicht das Gefühl gegen Wände anzurennen, sondern im Wesentlichen Menschen mit im Grunde sinnvollen Ansichten auf subversive Diskriminierung hinzuweisen, auf Gelegenheiten, in denen sie unbewusst und ungewollt ein heteronormatives und monogames Bild von Beziehungen voraussetzen (und zwar nicht für sich, was okay ist, sondern für andere).

Ich werde vermutlich auch weiterhin The Pervocracy in meinem RSS-Reader behalten und interessiert lesen. Ich erwarte nicht viel davon, aber wenn man bedenkt, was ich da sonst für Mist drin habe… Und auf jeden Fall empfehle ich den blog allen denjenigen, die das Gefühl haben (oder auch nicht), sich nicht völlig in ein solch sexuell liberales Mindset begeben zu können. Lest euch doch einfach mal ein paar der Artikel durch – je mehr ihr dabei denkt „what the fuck, wie kann man sowas schreiben, das ist doch unsittlich“, desto mehr würde ich euch ans Herz legen, den blog regelmäßig zu lesen ;)

Gruß,

ich

Kontrollverlust

Posted in Allgemein, Politik on June 12th, 2011 by Merovius

Moin,

in letzter Zeit sind ja Bitcoins sehr populär geworden, auf einmal ist jeder ein kleiner Volksökonom und ruft die finanzielle Anarchie aus. In diesem Rahmen habe ich natürlich auch sehr viel über Geld und Finanzen nachgedacht und im Zuge dieser Nachdenkerei bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich dann auch endlich mal über Kontrollverlust bloggen muss. Haben ja schon viele vor mir getan.

Basis all dieser Beobachtungen ist, dass Eigentum frei ist. Nein, wirklich! Wir fühlen uns gern sicher, wenn wir mit Geld in der Tasche losziehen und uns Dinge davon kaufen, wir sind uns dann sicher, dass ist unser Geld und die Waren, die wir davon kaufen, gehören anschließend uns. Dabei sind wir uns überhaupt nicht der Tatsache bewusst, dass wir einem andauernden Kontrollverlust ausgesetzt sind.

Als Beispiel: Wenn ich zur Bank gehe und mein Geld dort auf mein Konto lege. Wer garantiert mir dann eigentlich, dass ich mein Geld zurück bekomme? Was sollte die Bank daran hindern, mein Geld einfach zu behalten? Oder ich zahle per Kreditkarte. Wer garantiert dem Geschäft, dass er sein Geld von der Bank bekommt? Oder der Bank, dass sie ihr Geld von mir bekommt? Und – da es hier ja nicht um die Kontrolle über Geld, sondern die über Eigentum geht – wer garantiert mir, dass in meiner erworbenen Cornflakes-Schachtel wirklich Cornflakes sind – und wenn, dann, dass es die von Kellog’s sind (stellt ja auch irgendwie einen Wert dar)?

Wir kannten das doch schon als Kinder – dass wir mal dem Günther ‘ne Mark geliehen haben, damit er sich nen Lutscher kaufen konnte. Aber er musste dann natürlich schon versprechen, dass er uns die wiedergibt. Und wenn er das nicht gemacht hat, sind wir dann zu Mama gerannt und wenn er dann gesagt hat, dass das gar nicht stimmt, dann tja. Und hätte ich Günther kein Geld geliehen, dann hätte ich meine Mark jetzt noch und könnte mir selbst nen Lutscher kaufen. Aber das wäre ja asozial.

Natürlich könnte ich dann die Bank verklagen, oder Günther anzeigen. Aber mal ganz ehrlich, welcher Staatsanwalt eröffnet schon ein Verfahren wegen ‘ner Mark für nen Lutscher und wenn die Bank in ihrem Computer halt ein paar Euro weniger auf meinem Konto stehen hat, kann ihr das auch keiner nachweisen, dass ich die nicht abgehoben habe. Und selbst bei den Kellog’s müsste ich ja beweisen, dass ich genau diese Schachtel in genau dem Laden gekauft habe und dass bei der Öffnung bereits schon keine Cornflakes (oder eben billige Pappflakes) darin gewesen sind. Geht ja gar nicht, das alles.

Und gegen den Staat helfen ja selbst die Gesetze nicht. Weil, der Staat macht ja die Gesetze! Der kann ja einfach vorbeikommen und sich nehmen, was er will. Und wenn ich mich dann beschwere, dann macht er einfach ein Gesetzt, was besagt, dass ich kein Recht auf Eigentum habe. Das ist zwar vielleicht verfassungswidrig, aber das dauert ja eh ewig, bis das Verfassungsgericht das kassieren kann.

Und dann gibt es ja noch meine Wohnung. Die ich ja abschließe. Aber wir wissen alle ganz genau (hoffe ich doch?) dass kein Schloss echte Sicherheit liefert. Ob nun der freundliche Lockpicker in der Nachbarschaft, ein Schlosser oder auch ein Brecheisen (oder meinethalben eine gezielte Sprengladung), wenn jemand wirklich will, hält ihn ein Schloss höchstens ein paar Sekunden auf. Die Kontrolle über mein Eigentum ist also auch in meinem höchstpersönlichen Lebensbereich einfach nur eine Illusion. Eigentlich besitze ich meine Familienfotos und meine Stereoanlage gar nicht, schließlich kann jeder jederzeit vorbeikommen und sie mir nehmen.

Nachdem jetzt also unwiederlegbar bewiesen wurde, dass sämtliche Schutzmaßnahmen von Eigentum sinnlos sind, bezeichnen wir Eigentum ab jetzt als frei und nehmen dogmatisch an, dass das eine klare Tatsache ist, die alle ebenso sehen.

An dieser Stelle ist es wichtig festzuhalten, dass ich nicht fordere, dass alle ihr Geld munter aus dem Fenster werfen und an fremde Menschen verteilen. Ich möchte nur ergebnisoffen diskutieren, ob Eigentum noch zeitgemäß ist, oder ob wir uns angesichts des zunehmenden Kontrollverlustes nicht vielleicht fragen sollten, ob es besser wäre, Eigentum einfach abzuschaffen. Wenn niemand besitzt, geht es doch allen viel besser. Wenn man nicht will, dass jemand anderes etwas nimmt, muss man es eben dauernd in der Tasche mit sich rumtragen und jedem, der die Tasche schief beäugt hauen, oder weglaufen, wenn jemand danach greift, um es in Sicherheit zu bringen. Hindert einen ja keiner dran, das Einzige, was wegfiele, wäre das staatlich garantierte Recht, dass einem niemand in die Tasche greift und es wegnimmt.

Schließlich – und auch darüber muss man ja ausführlich referieren – richtet das Recht auf Eigentum ja auch riesige Schäden an. Neulich hatte ich richtig Lust auf eine Birne, aber mein Portmonaie vergessen. Hab mir dann eine aus dem Bioladen mitgenommen, aber ich war noch nichtmal zur Tür raus, als so ein Sicherheitsmensch mich am Kragen gepackt hat und mir gesagt hat, dass ich das nicht darf. Ich mein what the fuck? In was für einer beschissenen Welt leben wir eigentlich, wenn ich nichtmal jederzeit und wann immer ich Lust habe Birnen essen darf? Die Technologie hat es möglich gemacht, dass wir zu jeder Jahreszeit frisches Obst aus aller Welt genießen können und dieses verdammte Recht auf Eigentum verhindert, dass ich das so richtig ausnutzen kann. Das ist doch ein Widerspruch in sich? Man könnte Eigentum da ja glatt als Gedankenverbrechen bezeichnen! Die Welt wäre doch voll Dufte ohne Eigentum, das anders zu sehen ist ein Verbrechen, jawohl! Und um zu verhindern, dass überall Autos und Fahrräder geklaut werden, müsste man ja überall Kameras aufstellen. Und das will ja auch keiner, so Totalüberwachung!

Und wie häufig konnten Verbrechen schon nicht aufgeklärt werden, weil ein entscheidenes Beweisstück nicht verwendet werden konnte, weil es dem Täter gehörte (oder auch nicht dem Täter, sondern nur irgendwem anders)? Recht auf Eigentum schützt den Täter also! Und überhaupt!

Eigentlich ist es ja auch falsch, dauernd vom Kontrollverlust zu sprechen. Das ist ja eine Frage der Sichtweise, ob ich jetzt die Kontrolle über mein Eigentum verliere, oder die Kontrolle über fremdes Eigentum gewinne. Und am Ende ist mangelndes Eigentum eh Freiheit, nämlich die Freiheit der Selbstverwirklichung. Wenn ich nämlich die Spaghetti der ganzen Welt verwenden darf, kann ich viel größere Spaghettibilder kleben. Und Spaghettibilder sind schließlich die Spitze künstlerischen Wirkens, wie schon mein Friseur feststellte (Eigentlich müsste ich hier noch Freud, Hobbes und meine Mutter zitieren, die zwar alle nichts zu dem Thema gesagt haben, aber sich sicherlich trotzdem irgendwie darauf beziehen lassen, aber dann würde der Artikel zu lang).

Und an der Stelle möchte ich dann auch nochmal über Argumentationsstrukturen reden. Weil wegen, wenn es um Datenschutz geht, dann kann man so argumentieren, aber wenn es um Eigentum geht, dann ist das nicht möglich, ja ne, ist klar und so.

Und wenn du jetzt hier angekommen bist, dir die Zeit genommen hast, diesen gar nicht mal so furchtbar kurzen Blogbeitrag zu lesen, wenn du angefangen hast, gemütlich mit einer Tasse heißer Schokolade und dir dachtest „Schau’n wir mal, was er zu sagen hat, vielleicht hat der sich ja Gedanken gemacht“ und wenn du zunehmend ungläubig den Kopf geschüttelt hast, weil du dir einfach nicht vorstellen kannst, dass ein Mensch ernsthaft so etwas schreiben kann, wenn dir mitlerweile der Kopf blutet, weil du ihn so häufig auf den Tisch geschlagen hast und du unbändige Lust verspürst, dir mit einem Schlagbohrer diesen Post aus dem Gehirn zu bohren und du dich trotzdem ruhig hinsetzt und einen Kommentar schreibst, in dem du darlegst, warum die Forderung, Eigentum abzuschaffen (die ich ja nicht stelle, ich will ja nur ergebnisoffen über Eigentum diskutieren), auf Basis solcher Argumentationstiefe Unsinn ist, dann lass dir gesagt sein, dass du ja nur nicht willst, dass deine heilige Kuh Eigentum hinterfragt wird.

PS: Die ausgewählten Links sind exemplarisch. Es handelt sich um Einzelfälle, die mir gut genug im Gedächtnis geblieben sind und schnell auffindbar waren. Es sind weder die einzigen, noch die wichtigsten Quellen.

PPS: Ich bin übrigens eigentlich deutlich eigentumskritischer, als es diese Verballhornung der Spackeria nahelegen würde. Ich hoffe aber, dass meine Meinung da durch mehr Reflektion geprägt ist, als dieser Beitrag. Aber das ist ein anderes Thema, nicht wahr?

Für die Mathematiker

Posted in Studium on January 29th, 2011 by Merovius

Moin,

mal wieder eine Aufgabenstellung für Mathematiker:

Sei M eine Menge von Münzen (bestehend aus 1ct, 2ct, 5ct, 10ct, 20ct, 50ct, 1€, 2€ in jeweils beliebiger Anzahl), aus der sich jeder Betrag bis zu einschließlich 5€ passend bezahlen lässt. Finde N wie oben, sodass für jedes M wie oben gilt #N ≤ #M.

Bedingung ist: Alles ausprobieren (= Computer/BruteForce) ist verboten und es braucht einen vollständigen Beweis. ;)

Wer eine allgemeine Lösung hat (Sprich, Münzen dürfen aus {m_1,m_2,…,m_k} gewählt werden und es muss ein Betrag q zusammengesetzt werden), die wird auch gerne genommen ;)

Gruß,

ich

Cola-Staffel

Posted in Privat on September 1st, 2010 by Merovius

Moin,

wir haben heute Nacht ein tolles neues Spiel erfunden. Wir haben es „Colastaffel“ getauft und das geht so:

Mehrere Spieler – mindestens drei – fahren des nachts (wenig bis kein Verkehr) auf ihren Rädern durch die Straßen. Dabei werfen sie sich eine Colaflasche zu.

Extrapunkte gibt es für das Tragen eines Medizinballs oder ähnlichen Sportgerätes (zum Beispiel eine prall gefüllte Einkaufstasche passt sehr gut ins Gesamtbild), welches den panischen Griff zum Lenker bei Bodenwellen behindert oder durch plötzliche Gewichtsverlagerung – wenn man es von einer Hand in die andere verlagern muss, um überraschend die Flasche entgegenzunehmen – ein adrenalingeladenes Schlingern erzeugt.

Das Spiel nimmt dann ein abruptes und spaßiges Ende, wenn einer der Spieler die Flasche in hohem Bogen zu einem Mitspieler wirft und dabei zu kurz zielt – Eignung der Flasche vorausgesetzt. Die dickwandigen Mehrwegflaschen eignen sich nicht, deren Unzerzbrechlichkeit wurde bereits vor Jahren von einer jungen Forschergruppe ausgiebig nachgewiesen. Einwegflaschen mit 1l Inhalt scheinen sich hervorragend zu eignen, da bei ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit (bisherige Experimente siedeln diese um die 100% der Fälle an) ihren Deckel verlieren und dann – aufgrund der bereits eine Weile andauernden Schüttelei – mehrere zig Meter in zügigem Tempo zurücklegen, während sie ihren kompletten Inhalt auf der Straße verteilen.

Die ganze Geschichte kann auf jeden Fall sehr spaßig werden. Zur Vorbeugung und Abfederung von Stürzen kann entsprechende Schutzkleidung getragen werden – aber eigentlich verdirbt das nur den Spaß an diesem interessanten Extremsport.

Gruß

ich

Disclaimer

Posted in Privat on June 5th, 2010 by Merovius

This person is provided by the parents and himself “as is” and any express or implied warranties, including, but not limited to, the implied warranties of merchantability and fitness for a particular purpose are disclaimed. In no event shall the parents or he be liable for any direct, indirect, incidental, special, exemplary or consequential damages (including, but not limited to, procurement of substitute friends; loss of happiness or the illusion of such) however caused and on any theory of liability, whether in friendship, relationship or any other social contract (including negligence or otherwise) arising in any way out of the knowledge of this person, even (and particularly) if advised of the possibility of such damage.

Can contain traces of peanuts.

Do not dry in a microwave oven.

Gruß,

ich

Ich hasse Fotos

Posted in Privat on June 1st, 2010 by Merovius

Moin,

weil ich das immer wieder gefragt werde, dachte ich mir, ich schreib mal schnell ein oder zwei Zeilen zu meiner Einstellung zu Fotos von mir (sind dann doch ein paar mehr geworden ^^).

Um abzuschätzen, wie ich mich dabei fühle fotografiert zu werden, ist es vielleicht vergleichbar, sich vorzustellen, man würde beim Sex aufgenommen würden. Kein Witz.

Ich weiß nicht genau, warum, aber wenn jemand eine Kamera auf mich richtet, bekomme ich spontan das Gefühl, ohne Kleidung da zu stehen, Panikanfälle und alles inklusive.

Und jetzt stellt euch einmal vor, jemand würde euch bitten, doch einen kleinen Porno für ihn/sie zu drehen. Wie würdet ihr euch dabei fühlen? Würde es dazu eine Rolle spielen, dass er/sie versichert, ihn auch nicht im Internet hochzuladen? „Der steht dann ja auch nur im internen Bereich, den können nur Leute anschauen aus einer in sich geschlossenen sozialen Gruppe, das ist doch vollkommen okay.” „Jetzt stell dich nicht so an, ich zeig das auch keinem” oder mein Liebling: „Ich will den nur, damit ich den bei mir in den Video-Schrank stellen kann und ihn mir anschauen, wenn ich dich vermisse…“ – ja ne, ist klar.

Das ist dann auch keine Frage des Vertrauens. Wer mir sagt „aber du kannst mir doch vertrauen” sollte sich einmal die Masse an Homemade-porn im Netz anschauen, davon die abziehen bei denen beide Partner mit Veröffentlichung einverstanden waren (ja, mir ist bewusst, dass das nicht wenig ist) und sich bei den verbleibenden Fällen fragen, ob die beiden Mensch auf dem Band sich wohl gegenseitig mißtraut haben.

Versteht mich bitte nicht falsch, ich möchte niemandem unterstellen, er/sie/es würde seine Homevideos ins Internet stellen, aber Fakt ist, dass 1. der einzig wirklich sichere Weg, zu verhindern, dass Nacktaufnahmen vom einem im Internet stehen nun einmal ist, keine zu machen und dass 2. Fotografien noch schwieriger sind, weil sie von den Menschen eben als geringfügigeres Problem betrachtet werden (und es damit wahrscheinlicher ist, dass jemand denkt „der wird schon nichts dagegen haben”), ich mich dabei aber gleichzeitig genauso unwohl fühle.

Es gibt übrigens auch eine passende Analogie zu Menschen, die hinter mir herlaufen und versuchen, mich doch noch vor die Linse zu bekommen, wenn ich gerade nicht schaue. Äquivalent dazu sind Menschen, die über euren Gartenzaun steigen, auf den Balkon im ersten Stock klettern und eine Lücke im Vorhang suchen, um euch beim Duschen zu filmen. Und wenn sie dann entdeckt werden und ihr sie anschreit und euch mit einem Handtuch bedeckt, dann lachen sie nur blöde, reissen das Fenster auf und versuchen, euch die Kamera unter’s Handtuch zu halten. Es ist einfach nicht witzig. Überhaupt nicht.

Und die ganze Geschichte soll noch etwas klar machen: Es geht mir nicht ums Hochladen. Auch nicht darum, dass jemand es sehen könnte, mich eingeschlossen. Es geht um die bloße Existenz der Aufnahmen, das Unwissen, was damit in Zukunkft passiert und selbst der bloße Akt der Aufnahme stellt schon eine unerträgliche Zumutung dar.

Bevor ihr mich also das nächste mal fotografieren wollt, fragt euch, wie ihr euch fühlen würdet, wenn ich von euch Nacktaufnahmen will.
Bevor ihr das nächste mal versucht, mich davon zu überzeugen, dass ich mich nicht so anstellen soll, fragt euch, ob das bei euch ein Argument für Homemade porn wäre.
Und bevor ihr euch das nächste mal Homemade porn im Internet anschaut, überlegt euch, ob mit der Veröffentlichung wohl alle Partner einverstanden waren und wie ihr euch sonst an deren statt fühlen würdet ;)

Gruß,

ich

PS: Ja, ich bin mir durchaus der Ironie bewusst, dass ich für einige Dinge – wie Wahlkampf oder amtliche Belange – Fotos zulasse. ;) Und ja, ich fühle mich dabei auch entsprechend, aber was soll man machen, wad mudd, dad mudd…

Nerdshirt

Posted in Privat, Technik on June 1st, 2010 by Merovius

Moin,

einfach mal so um es euch zu zeigen, ich hab mir kürzlich folgendes Nerdshirt drucken lassen:

Alles Scheiße (außer Laptop)

Die Geschichte dazu ist, dass ein Kumpel von mir ein Samsas Traum Bandshirt trug, mit dem Kommentar

Das sieht zwar seltsam aus, ist aber das einzige, was man auch tragen kann.

Alle anderen sind immer so „Alles ist scheiße”. Und ich find ja gar nicht alles scheiße. Mein Laptop zum Beispiel…

Naja ;) Wir fanden’s witzig und deshalb hab ich mal im Inkscape nen Laptop hingerotzt und nu laufen wir damit rum ;)

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand das auch haben will, kann er/sie/es ja mal Bescheid sagen, wir haben bei FredDruck (super Service, btw) gedruckt, Kostenpunkt ca. 17€ pro Shirt, vielleicht haben die ja die Schablone aufgehoben. Sonst kann ich auch ne Vektorgrafik liefern, oder eine hochauflösende gerasterte Version.

Gruß,

ich

PS: Ja, das soll ein ThinkPad sein, hatte halt genau eine Vorlage und es gibt halt genau eine beste Marke ;)

Finde den Fehler

Posted in Studium on April 26th, 2010 by Merovius

Moin,

ich habe da ein kleinen Denkfehler, den finde ich nur nicht. Brauch Hilfe ;)

Ich zitiere mal Wikipedia:

Eine Menge M\subseteq\mathbb{R} wird von einer Menge vom Maß 0 überdeckt, wenn für alle ε > 0 gilt: Es existiert eine offene Überdeckung von M aus höchstens abzählbar unendlich vielen Quadern und die Summe der Maße dieser Quader ist kleiner als ε.

Nun tun wir das folgende: Sei f: \mathbb{N} \to \mathbb{Q} eine Abzählung für \mathbb{Q}. Wir überdecken \mathbb{Q} offen, indem wir um jede rationale Zahl q den offenen (f^{-1}(q))^{-2}-Ball legen. Damit erhalten wir eine offene Überdeckung mit Maß \mu := \sum_{n=1}^\infty 2n^{-2}, also ein endliches Maß. Zu gegebenem \epsilon > 0 wählen wir dann ein \epsilon > \delta > 0 und multiplizieren die Überdeckung mit \frac{\delta}{\mu} und erhalten so eine offene Überdeckung von \mathbb{Q} mit Maß kleiner als \epsilon (super, wir haben bewiesen, dass \mathbb{Q} eine Nullmenge ist!).

Die Frage, die sich nun stellt ist: Haben wir auch eine offene Überdeckung von \mathbb{R}\setminus\mathbb{Q}?

Die (offensichtliche) Antwort ist „nein”, denn sonst wäre \mathbb{R}\setminus\mathbb{Q} eine Nullmenge und damit auch \mathbb{R}. Ich aber finde diese Antwort ziemlich konterintuitiv, denn schließlich liegen in jeder Umgebung um jede irrationale Zahl beliebig viele rationale Zahlen.

Ich bin mir ziemlich sicher, ungefähr zu wissen, wo der Denkfehler liegt, aber ich wüsste trotzdem gerne, was ihr davon denkt und vielleicht hat ja jemand einen eingängigen Beweis, warum das keine Überdeckung von \mathbb{R} ist…

[Update] Danke an Dominik, für den entscheidenden Hinweis, wie sich beweisen lässt, nicht nur, dass es sich nicht um eine Überdeckung von \mathbb{R} handelt, sondern auch, dass die nicht überdeckte Menge keine Nullmenge ist.

Wir nehmen an, \epsilon > 0 sei gegeben und wir führen die obige Konstruktion durch.

Zunächst zeigen wir, dass es sich nicht um eine Überdeckung handelt. Dazu betrachten wir das Intervall \left[-\frac{\epsilon}{2},\frac{\epsilon}{2}\right]. Dieses wird dann ebenfalls überdeckt. Da das Intervall kompakt ist, existiert eine endliche Teilüberdeckung. Aufgrund der Subadditivität des Maßes ist jedoch das Maß dieser Teilüberdeckung kleiner, als das Maß der gesamten konstruierten Überdeckung – also eben auch kleiner als \epsilon und damit kleiner als das Maß der angeblich überdeckten Fläche.

Grundsätzlich ist damit bereits gezeigt, dass sogar eine Menge mit Maß größer als 0 nicht überdeckt wird und daß damit \mathbb{R} keine Nullmenge ist. Man kann aber noch einen kleinen weiteren Schritt machen und annehmen, dass die nicht überdeckte Menge eine Nullmenge ist. Dann können wir aber wieder eine höchstens abzählbare Überdeckung der bisher nicht überdeckten Menge finden, deren Maß kleiner als \epsilon ist – und erhalten so eine abzählbare Überderdeckung von ganz \mathbb{R}, mit Maß kleiner als 2\epsilon. Wenden wir dann das obige Argument auf das Intervall [-\epsilon, \epsilon] an, erhalten wir einen Widerspruch.

Also, ich bin glaube ich zufrieden gestellt, es sei denn, es kommen irgendwelche Einwände, die Lücken in dieser Argumentation aufzeigen.

Wer das Problem interessant fand, den interessiert vielleicht auch das Banach-Tarsky-Paradoxon, auf das Oli mich aufmerksam gemacht hat. Auch wenn es höchstens randmäßig mit dem Problem zu tun hat, wie sich herausgestellt hat, ist es auf jeden Fall interessant – und eine tolle Party-Anekdote (was? Ihr klärt auf Parties die anwesenden Unwissenden nicht über die Wunder der Mathematik auf? Manche Menschen haben einfach keinen Charme…).

Collateral Murder

Posted in Politik on April 5th, 2010 by Merovius

Moin,

Disclaimer: Ich hatte noch keine Zeit mir das anzuschauen, aber das Material soll ziemlich brisant sein.

WikiLeaks hat heute ein Video geleakt, auf dem wohl zu sehen ist, wie U.S.-Militärs ein paar (genaue Zahl ist mir (noch) nicht bekannt) Zivilisten von einem Hubschrauber aus abschiessen.

Auf http://collateralmurder.org/ sind ein paar Ressourcen zusammengestellt, inklusive Links auf verschiedene Möglichkeiten, sich das Video online anzuschauen oder herunterzuladen, einem Transkript der Übertragungen (auch in Deutsch) und mehr. Hab beschlossen, heute mal eine Nacht lang nur diesen Torrent zu seeden und diesen Blogpost zu schreiben, um meinen bescheidenen Beitrag zur Verbreitung der Informationen und der Diskussion zu tun.

Werde mir das Video und das Transkript heute Nacht genauer anschauen und dann ggf. noch mal ein Update bringen.

Gruß,

ich

[update] Mitlerweile haben sie auch das volle Video zum Download zur Verfügung gestellt. Auf diesem ist insbesondere auch der spätere Raketenangriff festgehalten.

Und nachdem ich das Video nun gesehen habe, kann ich nur sagen, ich bin… nun, nicht geschockt, denn Schock impliziert Überraschung und überrascht bin ich nicht.

Zunächst: Ich leugne nicht, dass aus der Entfernung mit der schlechten Sichtqualität die Taschen und Kameras der Reporter aussehen, wie Waffen. Auch ich habe das, womit dort herumgefummelt hat zunächst für einen Raketenwerfer gehalten (bei genauerem Hinsehen ist aber offensichtlich, dass es sich um eine Kamera mit Teleobjektiv handelt). Und ich verstehe auch den Stress, unter dem die Soldaten stehen.

Aber all das ist keine Entschuldigung dafür, unprovoziert zu feuern. Es ist definitiv keine Entschuldigung dafür, sich über die Getroffenen lustig zu machen. Und es ist auch keine Entschuldigung über den schwerverletzt am Boden liegenden zu sagen:

Come on, Buddy. All you got to do is pick up a weapon…

Oh und nicht zu vergessen, dass sie ein ziviles Fahrzeug auseinendernehmen, ohne den geringsten Hinweis auf Waffen, als man damit gerade den Verwundeten in Sicherheit bringen wollte…

Ob zivile Opfer in einem Krieg toleriert werden müssen, der Zweck heiligt die Mittel usw. ist sicher eine interessante Debatte, aber eine vollkommen andere. Hier geht es um die Frage, ob man wirklich Menschen Waffen in die Hand geben will und ihnen erlauben soll, zu töten, die offensichtlich Spaß dabei haben. Und was man mit Menschen machen soll, die so offensichtlich gegen die Rules Of Engagement verstoßen haben.

Und natürlich muss man die steigende Tendenz in Frage stellen, die Soldaten von den Kampfhandlungen fernzuhalten. Die Distanz verleitet wohl, die ganze Sache wie ein Computerspiel zu betrachten. Bei diesem Vorfall war es ein Helikopter – was passiert, wenn die Soldaten gemütlich zu Hause sitzen und nur noch Roboter fernsteuern, mag ich mir nicht vorstellen. Julian Assange (Mitgründer von WikiLeaks) fasst die Problematik in einer sehr sehenswerten Diskussion bei MSNBC sehr treffend zusammen.

Mehr bleibt eigentlich nicht zu sagen. Ich empfehle, zwei Stunden oder so zu investieren, sich das Video anzuschauen und einen Blick auf die Ressources-section der Seite zu werfen. Lesenswert ist sicher auch dieser Artikel.

Fuck

Posted in Privat on March 25th, 2010 by Merovius

Moin,Craig McIntyre

auch wenn es vielleicht nicht vollkommen angebracht sein mag, da ich ihn ja gerade erst kennen gelernt habe, ändert das nichts an der Tatsache, dass ich gerne mehr Zeit gehabt hätte und dass mich die Nachricht von seinem Tod geradezu umgehauen hat…

Craig war definitiv ein großartiger Mensch. Und ich bezweifel, dass ich jemals wieder jemanden kennenlernen werde, der in so kurzer Zeit die Menschen um sich so vollkommen für sich einnehmen kann, wie ich es bei ihm sehen konnte…

So Craig, you’ll be missed and from the bottom of my heart:
 

Fuck