Moin,
weil ich das immer wieder gefragt werde, dachte ich mir, ich schreib mal schnell ein oder zwei Zeilen zu meiner Einstellung zu Fotos von mir (sind dann doch ein paar mehr geworden ^^).
Um abzuschätzen, wie ich mich dabei fühle fotografiert zu werden, ist es vielleicht vergleichbar, sich vorzustellen, man würde beim Sex aufgenommen würden. Kein Witz.
Ich weiß nicht genau, warum, aber wenn jemand eine Kamera auf mich richtet, bekomme ich spontan das Gefühl, ohne Kleidung da zu stehen, Panikanfälle und alles inklusive.
Und jetzt stellt euch einmal vor, jemand würde euch bitten, doch einen kleinen Porno für ihn/sie zu drehen. Wie würdet ihr euch dabei fühlen? Würde es dazu eine Rolle spielen, dass er/sie versichert, ihn auch nicht im Internet hochzuladen? „Der steht dann ja auch nur im internen Bereich, den können nur Leute anschauen aus einer in sich geschlossenen sozialen Gruppe, das ist doch vollkommen okay.” „Jetzt stell dich nicht so an, ich zeig das auch keinem” oder mein Liebling: „Ich will den nur, damit ich den bei mir in den Video-Schrank stellen kann und ihn mir anschauen, wenn ich dich vermisse…“ – ja ne, ist klar.
Das ist dann auch keine Frage des Vertrauens. Wer mir sagt „aber du kannst mir doch vertrauen” sollte sich einmal die Masse an Homemade-porn im Netz anschauen, davon die abziehen bei denen beide Partner mit Veröffentlichung einverstanden waren (ja, mir ist bewusst, dass das nicht wenig ist) und sich bei den verbleibenden Fällen fragen, ob die beiden Mensch auf dem Band sich wohl gegenseitig mißtraut haben.
Versteht mich bitte nicht falsch, ich möchte niemandem unterstellen, er/sie/es würde seine Homevideos ins Internet stellen, aber Fakt ist, dass 1. der einzig wirklich sichere Weg, zu verhindern, dass Nacktaufnahmen vom einem im Internet stehen nun einmal ist, keine zu machen und dass 2. Fotografien noch schwieriger sind, weil sie von den Menschen eben als geringfügigeres Problem betrachtet werden (und es damit wahrscheinlicher ist, dass jemand denkt „der wird schon nichts dagegen haben”), ich mich dabei aber gleichzeitig genauso unwohl fühle.
Es gibt übrigens auch eine passende Analogie zu Menschen, die hinter mir herlaufen und versuchen, mich doch noch vor die Linse zu bekommen, wenn ich gerade nicht schaue. Äquivalent dazu sind Menschen, die über euren Gartenzaun steigen, auf den Balkon im ersten Stock klettern und eine Lücke im Vorhang suchen, um euch beim Duschen zu filmen. Und wenn sie dann entdeckt werden und ihr sie anschreit und euch mit einem Handtuch bedeckt, dann lachen sie nur blöde, reissen das Fenster auf und versuchen, euch die Kamera unter’s Handtuch zu halten. Es ist einfach nicht witzig. Überhaupt nicht.
Und die ganze Geschichte soll noch etwas klar machen: Es geht mir nicht ums Hochladen. Auch nicht darum, dass jemand es sehen könnte, mich eingeschlossen. Es geht um die bloße Existenz der Aufnahmen, das Unwissen, was damit in Zukunkft passiert und selbst der bloße Akt der Aufnahme stellt schon eine unerträgliche Zumutung dar.
Bevor ihr mich also das nächste mal fotografieren wollt, fragt euch, wie ihr euch fühlen würdet, wenn ich von euch Nacktaufnahmen will.
Bevor ihr das nächste mal versucht, mich davon zu überzeugen, dass ich mich nicht so anstellen soll, fragt euch, ob das bei euch ein Argument für Homemade porn wäre.
Und bevor ihr euch das nächste mal Homemade porn im Internet anschaut, überlegt euch, ob mit der Veröffentlichung wohl alle Partner einverstanden waren und wie ihr euch sonst an deren statt fühlen würdet ;)
Gruß,
ich
PS: Ja, ich bin mir durchaus der Ironie bewusst, dass ich für einige Dinge – wie Wahlkampf oder amtliche Belange – Fotos zulasse. ;) Und ja, ich fühle mich dabei auch entsprechend, aber was soll man machen, wad mudd, dad mudd…